Du überlegst dir, ob du einen Spanischkurs in Spanien besuchen sollst, kannst dich aber nicht entscheiden?

Hier kannst du die Erfahrung von Patrizia lesen, die inderselben Situation war und sich schließlich dafür entschieden hat, Spanisch in Alicante zu lernen.  Wir haben mit ihr darüber gesprochen, warum sie Spanisch lernt, was sie dabei frustriert und wann sie wahre Glücksmomente erlebt.

Profil:    Patrizia (31)

  • Trinkt am liebsten „vino tinto“
  • Hat einen geheimen Lieblingsplatz auf der Burg Santa Barbara
  • Ist gerade dabei, sich mit dem Subjuntivo anzufreunden

 

  • Hallo Patrizia! Schön, dass wir dich interviewen dürfen. Kannst du dich kurz vorstellen?

Also ich bin Patrizia, ich bin 31 Jahre alt und bin seit knapp drei Monaten in Alicante, um Spanisch zu lernen in Proyecto Español.

  • Wie hast du dich entschieden, für einen Spanischkurs nach Alicante zu kommen?

Die Entscheidung hat einige Monate gedauert, weil ich zuerst geschaut habe, wohin ich in Spanien überhaupt gehen will. Die Jahreszeit hat auch eine entscheidende Rolle gespielt. Ich mag den Norden Spaniens sehr, aber den Winter wollte ich nicht dort verbringen. Deswegen habe ich mich im Süden umgeschaut und mich schlussendlich für Alicante entschieden. Sevilla habe ich mir zwar auch überlegt, aber ein Freund hat mich dann mit dem Argument, dass in Alicante die Aussprache relativ neutral ist, überzeugt, doch nach Alicante zu kommen.

  • Du hättest Spanisch ja auch in Deutschland lernen können. Was hat dich dazu gebracht zu sagen „Ich packe jetzt meine Sachen und ziehe nach Spanien!“´?

Ich bin in 2015 den Camino del Norte gelaufen und habe mehrere Wochen in Spanien verbracht. Leider ohne Spanischkenntnisse. Das fand ich sehr schade, denn ich konnte mich nicht mit den Menschen unterhalten, denen ich begegnet bin. Das hat mich dazu motiviert, das Projekt „Spanisch Lernen“ in Angriff zu nehmen, als ich wieder nach Deutschland zurückkam. Ich habe auch ein Jahr lang einen Volkshochschulkurs besucht. Einmal in der Woche.  Dann habe ich aber gemerkt, dass ich da persönlich nicht oder zu langsam vorankomme. Ich wollte in kurzer Zeit so viel wie möglich lernen und die beste Möglichkeit, um in kurzer Zeit so viel wie möglich zu lernen, ist, die Sprache in dem Land zu lernen, wo sie gesprochen wird, finde ich. So habe ich mich entschieden, einen Sprachkurs in Spanien zu besuchen.

  • Wie würdest du uns die spanische Kultur, die du in Alicante erlebt hast, beschreiben?

Was ich hier erlebt habe kann ich so beschreiben: Offenheit, Herzlichkeit, Zwischenmenschlichkeit.  Die Menschen verbringen ihr Leben auf der Straße, genießen es, haben Spaß. In Deutschland ziehen sich die Menschen eher zurück. Hier passiert vieles spontan. Man weiß oft nicht, was man morgen macht oder was passieren wird. Man lernt aber auch, dass das ok ist. Das verbinde ich mit Spanien.  Ach ja, und Tapas!

  • Du lebst seit drei Monaten in Spanien. Wie hast du dich verändert?

Ich bin hier mit sehr vielen verschiedenen Kulturen in Kontakt gekommen. Dadurch bin ich jetzt auf jeden Fall offener gegenüber Neuem. Sowohl die spanische Kultur, als auch die anderen Kulturen, die ich durch viele internationale KlassenkameradInnen in der Sprachschule kennengelernt habe, haben mir geholfen, andere Denkweisen zu entwickeln. Ich denke jetzt in andere Richtungen; sehe, dass es andere Möglichkeiten gibt.

Einer der Gründe, warum ich nach Spanien gekommen bin, war auch der, dass ich hier ein bisschen über eine berufliche Umorienterung nachdenken wollte. Ich bin sogar mit dem Gedanken angereist, dass ich in drei Monaten herausfinden muss, was ich weiter machen will. Mittlerweile denke ich mir, dass es nicht entscheidend ist, konkret zu wissen, was ich machen will ,sondern, dass ich eher herausfinden muss, wer ich bin und was mich ausmacht. Der Rest wird sich dann schon ergeben. Ich habe also für mich herausgefunden, dass es nicht entscheidend ist, große Ziele zu haben, sondern, dass der Weg dahin wichtiger ist.

  • Eine Sprache zu lernen und sie im Alltag anwenden können ist eine tolle Erfahrung. Manchmal ist dieser Prozess aber auch mit Frustration verbunden. Welche Erfahrung hast du in diesem Zusammenhang gemacht?

Ja, also ich war sehr oft frustriert (lacht). Das passiert auch recht regelmäßig. Mindestens einmal in der Woche habe ich so einen Tag, an dem ich echt frustriert bin. Da denke ich mir „Oh mein Gott, was machst du hier, wieso lernst du Spanisch?“. An solchen Tagen habe ich das Gefühl, ich kann kein Wort Spanisch sprechen und frage mich, ob ich weitermachen soll. Ich glaube, man will zu viel auf einmal und die Umsetzung funktioniert nicht immer so schnell, wie man sich das vorgestellt hat. Das frustriert natürlich.

Dann gibt es aber auch Tage, an denen man sich mit Menschen auf der Straße unterhält, fast alles versteht, was gesagt wird und dann sogar noch gut antworten kann.  Ich grinse dann auch immer vor mich hin, wenn ich durch die Straßen spaziere und die Menschen verstehen kann, die neben mir laufen. Am nächsten Tag stehe ich dann auf und habe die Antwort der Frage, die ich mir stelle, wenn ich frustriert bin: Oja, ich will unbedingt weitermachen!

Ich lese jetzt auch ein spanisches Kinderbuch und am Anfang musste ich sehr viele Wörter nachschlagen. Das Nachschlagen habe ich aber nach der zweiten Seite sein lassen. Das hatte mit dem Lesen nichts mehr zu tun, sondern war nur noch übersetzen. Ich habe dann einfach weitergelesen und gesagt, schau, was du verstehst. Mittlerweile bin ich bei der Hälfte des Buches angelangt und verstehe fast alles. Klar nicht jedes einzelne Wort. Das ist aber auch nicht wichtig. Wichtig ist es, den Zusammenhang zu verstehen. Es ist auch ein relativ lustiges Buch. Ich verstehe auch die Scherze und fange an zu lachen. Das sind echte Glücksmomente (lacht).

  • Was würdest du zukünftigen KursteilnehmerInnen empfehlen, die nach Alicante kommen wollen?

Alicante ist ein guter Ort, um eine begrenzte Zeit zu verbringen. Es ist eine interessante Stadt, die eher klein ist, aber relativ viel zu bieten hat. Gerade weil es eine kleine Stadt ist, ist es auch einfacher sich einzuleben. Man findet sich hier sehr schnell zurecht.

Wir haben hier den Strand, es gibt viele Möglichkeiten, feiern zu gehen und dann gibt es noch die Burg mit einer tollen Aussicht. Es gibt auch viele ruhige Ecken. Alicante ist eine sehr vielseitige Stadt.  Man kann schon sehr viel machen hier.

Daher würde ich zukünftigen KursteilnehmerInnen empfehlen, dass sie die Zeit genießen, offen sind und am Leben teilnehmen. Das finde ich wichtig. Man sollte hier auch denselben Aktivitäten nachgehen, denen man in seinem Land nachgeht, obwohl man kein oder wenig Spanisch sprechen kann. Z.B. ins Kino gehen oder zu einem Konzert oder in die Disco. Ich würde also allen empfehlen, hier genuaso an dem sozialen Leben teilzunehmen, wie sie es Zuhause tun. Es macht nämlich wenig Sinn, die fünf Stunden in der Sprachschule zu verbringen, um danach wieder zurückzugehen in die Wohnung und nichts zu machen. Das hilft nicht beim Lernen der Sprache. Wenn man die Menschen und die Kultur kennenlernt, lernt man auch die Sprache mit.

  • Du kehrst in einer Woche zurück nach Deutschland. Welche Erfahrungen nimmst du mit und was wirst du am meisten vermissen?

Eine Erfahrung werde ich mir auf jeden Fall mitnehmen: Man lernt eine Sprache nicht von heute auf morgen. Man sollte nicht mit der Illusion einen Sprachkurs machen, dass man innerhalb von kurzer Zeit die Sprache perfekt beherrschen wird.

Was ich mir sonst mitnehmen werde sind schöne Erinnerungen, eine sehr lustige Zeit mit außergewöhnlichen Menschen und vielleicht auch ein paar neue Freunde.

Am meisten vermissen werde ich  die Offenheit und die Herzlichkeit der Menschen hier. Das spanische Lebensgefühl, die Entspanntheit, die Lockerheit. In Deutschland ist alles relativ kühl und ernst, finde ich. Diese Entspanntheit werde ich bestimmt vermissen.

  • Möchtest du sonst noch etwas sagen?

Ich würde allen, die sich eine Auszeit nehmen wollen oder ein anderes Land kennenlernen wollen, empfehlen, nicht zu warten oder es aufzuschieben, sondern es jetzt zu machen.

Sümeyra Akarcesme